London und ein uralter Fund im Alb-Fluss – und plötzlich dasselbe Muster?
Funde aus dem Fluss
Ein Griff in den Schlamm – und ein Muster, das nicht loslässt
Ich sitze im Atelier, schaue abwechselnd auf mein London-Bild und auf diesen kleinen Metallgriff aus der Eyach
und denke: Das kann doch kein Zufall sein.
Ein Muster, zwei Orte, zwei Menschheitsepochen
Wie es dazu kam
Die Szene am Fluss war banal und irre gleichzeitig:
Sonne, trockener Grund, Hunde im Jagdmodus.
Ein Aufblitzen im Kies des Flusses, mein Arm im Wasser, der Widerstand,
das Gefühl, da etwas Festes und doch Modriges aus dem Boden zu ziehen.
Als die Schlammschicht im Wasser abblättert,
kommt dieser Körper zum Vorschein. Nicht das was ich vermutete: Ein alter Gartenschlauch, sondern
ein Zylinder, eingelassen mit Dreiecken und Kreuzlinien.
Die Patina, das Grün, die Unebenheiten. Alles an ihm schreit „sehr alt”
Und er lag genau dort, wo 1895 das Hochwasser eine Mühle weggerissen hat.
Es sind zwei Momente, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben:
Museumswand in London, das Flussbett auf der Alb.
Und trotzdem sitze ich jetzt hier,
lege Griff und Bild nebeneinander
und sehe:
Es ist dasselbe Grundgerüst.
Diagonalen.
Dreiecke.
Knoten.
Ein Raster, das sich konsequent wiederholt.
Das Dach des British Museum ist gebaut,
berechnet, geplant.
Der Griff aus der Eyach ist gealtert, verschüttet, wieder freigelegt.
Beide tragen dasselbe Muster, nur in unterschiedlichen Aggregatzuständen:
einmal als helles Liniennetz auf glatter Museumswand,
einmal als alte Streben aus Metall mit einem alten Holzkörper.
Ich merke, wie sich in mir etwas sortiert:
Vielleicht ist das, was ich da male, weniger „Motiv“
und mehr ein Aufspüren von Strukturen,
die sich durch Zeit und Katastrophen ziehen.
Das Hochwasser 1895 hat eine Mühle mitgerissen
und diesen Griff im Boden gelassen, oder es ist sogar noch viel älter.
Geschichte, Macht, Sammlungspolitik haben das British Museum geformt
und dieses Dach-/Wandmuster hervorgebracht.
Beide Male bleibt am Ende eine Form:
ein wiederkehrendes Netz aus Linien.
Und ich sitze hier zwischen beiden Welten,
auf der Alb mit London vor mir,
mit Schlammfund und Museumswand auf einem Tisch,
und ziehe diese Linien nach,
bis sie sich zu einer neuen Serie verdichten.
Vielleicht ist das gerade meine Arbeit:
nicht die Katastrophen zu illustrieren,
sondern die stillen Strukturen sichtbar zu machen,
die sie überleben.
Aus diesem Wandmuster und dem Griff aus der Eyach wird jetzt die London- Serie um ein Kästchen weiter wachsen.
Alb und London, Wasser und Stein.
Und im Hintergrund tüfteln Archäologen um das Rätsel dieses Gegenstandes. Ist es Uralt? Aus der Keltenzeit? Was ist es? Was kann es sein? Ein Griff eines Werkzeugs? Umhüllt mit einem Metallmuster das Stabilität gibt, so wie dem Dach des British Museums.
Die Umsetzung in meiner London-Serie